Die Ausbildung

Die Weiterbildung ist so angelegt, dass sich jeder Teilnehmer mit Hilfe der vermittelten Inhalte und auf der Basis seines Grundberufs selbst konzeptualisieren kann. Dies ermöglicht einerseits unser adaptives Fallkonzeptions- und Interventionssystem und andererseits die fachübergreifende ressourcenorientierte Fundierung, welche das pferdegestützte  Handlungsfeld abstecken.

Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Ablauf der Ausbildung

Die pädagogische und therapeutische Arbeit mit Mensch und Pferd kann nur auf der Grundlage angemessener beruflicher Ausbildung (heilkundlicher oder pädagogischer oder sozialer Grundberuf) bzw. einschlägiger Berufspraxis verantwortlich praktiziert werden. Wenn ein Weiterbildungsbewerber die Voraussetzungen nicht erfüllt, entscheidet der Vorstand des Instituts über die Zulassung auf der Grundlage eines Eignungsgesprächs und entsprechender Nachweise durch den Bewerber.

Die Weiterbildung ist als berufsbegleitende Qualifikation konzipiert und findet in der Regel in Form von Wochenendseminaren mit durchgängiger Pflichtpräsenz (360 Stunden) statt. Es finden etwa 8-10 Seminare bzw. Workshops pro Jahr statt, so dass die Weiterbildung etwa 2 Jahre dauert. Innerhalb dieser Zeit muss ein 40-stündiges Praktikum realisiert werden, in dem auch die praktische Arbeit mit Klienten durchgeführt wird. Diese Klientenarbeit wird dann in den Supervisionsseminaren vorgestellt. Die Weiterbildungsinhalte werden in enger Verzahnung von Theorie, Selbsterfahrung, angeleiteter praktischer Arbeit und Supervision vermittelt.

Grundsätzlich wird eine individuelle weiterführende fachliche Auseinandersetzung mit den einzelnen Weiterbildungsinhalten als selbstverständlich vorausgesetzt.

Bis auf wenige Ausnahmen finden alle Veranstaltungen im Seminarzentrum in Plennschütz statt. Auch sind hier Übernachtungsmöglichkeiten gegeben, so dass  die Zeit nach den Veranstaltungen ebenfalls gemeinsam, z.B. in der großen Gemeinschaftsküche, zu einer angenehmen Atmosphäre beitragen.

Kosten

Die Gesamtkosten der Weiterbildung betragen 4.400,00 Euro. Darin sind Kursmaterialien und Prüfungsgebühren enthalten, so dass keine weiteren Kosten für die Weiterbildung entstehen. Nicht in diesem Betrag enthalten sind die Übernachtungs- und Anreisekosten. Eine Ratenzahlung ist auf Antrag möglich.

Inhalte

Die Arbeit mit dem Pferd

1. Basics Pferd

  • Lebensraum
  • Haltung
  • Pflege
  • Ernährung
  • Gesundheit, Krankheiten

2. Psychologie und Verhalten

  • Fluchttier, Bewegungstier
  • Sozialwesen – soziale Struktur der Gruppe/Herde
  • Kommunikation

3. Natürlicher Respekt und Führungskompetenz

  • Pferdesprache/Körpersprache
  • Aufbau und Gestaltung einer Beziehung zum Pferd
  • Aufbau von natürlichem Respekt und Führungskompetenz

4. Ausbildung des Therapiepferdes

  • Auswahl des Pferdes
  • Beurteilung der Möglichkeiten des Pferdes (körperlich, psychisch)
  • Gewöhnung und Vertrautmachen mit therapeutischen Arbeitsmaterialien

5. Die Arbeit mit dem Pferd als Therapiepartner

  • Möglichkeiten des Einbezugs des Pferdes in die interventive Arbeit
  • Pferd als Beobachtungsobjekt
  • Pferd als Spiegel
  • Pferd als Projektionsfläche
  • Pferd als Fördermedium
  • Pferd als Modell
  • Arbeit mit dem Pferd am Boden (Führen, Leitseil, Freiarbeit)
  • Arbeit mit dem Pferd an der Longe/Doppellonge

6. Die Ausrüstung des Therapiepferdes

  • Voltigiergut, kleine Sattelkunde
  • Aufstiegsmöglichkeiten, Aufstiegshilfen
  • Zäumungen
Die pädagogische und therapeutische Arbeit

1. Grundlagen – Psychologie und Interventionen

  • Neurowissenschaftliche Basis
  • Systemischer, humanistischer, tiefenpsychologischer, verhaltenstherapeutischer Ansatz und der Einsatz des Pferdes in diesen Settings
  • Das bio-psycho-soziale Modell
  • Ressourcen und Resilienzen
  • Spezifische Störungsbilder
  • Organisatorisches Handeln und „Erstintervention“ bei Suizidgefährdung
  • Grundlagen diagnostischen Handelns
  • Befunderfassung und Dokumentation

2. Entwicklungspsychologie

  • Grundlagen
  • Entwicklungspathologie
  • Die verschiedenen Entwicklungsetappen und Entwicklungsaufgaben und Möglichkeiten der pferdegestützten Interventionen

3. Förderpädagogische Arbeit

  • Grundlagen der Pädagogik, Heil- und Förderpädagogik
  • Erarbeitung eines Karteikartensystems zur förderpädagogischen Arbeit mit dem Pferd

4. Grundlagen der Körperarbeit

  • Anatomisch-physiologische Grundlagen
  • Bewegungslehre
  • Körperliche Störungen/Krankheiten
  • Grundlagen der Hippotherapie
  • Übungen und Selbsterfahrung mit hippotherapeutischen Techniken
  • Selbsterfahrung auf dem Pferd (Centered Riding nach Sally Swift, Hippotherapeutische Arbeit)

5. Spezielle Themen oder Störungsbilder

  • Pferdegestützte Ansätze bei speziellen Themen oder Störungsbildern (Themen werden in Absprache mit den Teilnehmern gewählt, z.B. Caoching und Persönlichkeitsentwicklung mit Pferd, Hyperaktivität, aggressives Verhalten, geistige Behinderung, Multiple Sklerose, Borderlinestörung, Trauma)

6. Das therapeutische Basisverhalten
(Selbsterfahrendes praktisches Lernen)

  • Grundlagen der Kommunikation und Gesprächsführung
  • Gesprächsführung im Einzel- und Gruppensetting
  • Gesprächsführung mit Kindern
  • Therapeutische Grundhaltungen
  • Ressourcenaktivierende Interventionen
  • Techniken vom Rollenspiel, Psychodrama und systemischen Ansätzen

7. Die pferdegestützte Fallkonzeption

  • Einführung und Übungen mit dem PIRT-Modell der Fallkonzeption anhand von Fällen

8. Supervision

  • Alle Teilnehmer stellen 2 Fälle zur Supervision vor, wobei ein Fall als Verlaufsfall zwei Mal (in der Konzeptionsphase und im Verlauf der pferdegestützten Intervention) vorgestellt wird.  Der 2. Fall wird in der Konzeptionsphase vorgestellt. Die Fallvorstellungen erfolgen videogestützt.

9. Organisation – Pferdegestützte Praxis

  • Rechtliche Hintergründe, Verträge …
  • Grundlagen Versicherung
  • Finanzierungsmöglichkeiten, Finanzamt, Steuern, Kontoführung, Kassenbuch, Werbung, Öffentlichkeitsarbeit …
  • Formblätter zur Zusammenarbeit mit Institutionen, Ärzten, Kollegen, Entwicklung von Flyern …
  • Qualitätssicherung/-management in der pferdegestützten Praxis (z.B. Dokumentation der pferdegestützten Arbeit und Evaluation dieser)

Zulassungsvoraussetzungen zur Zertifizierung

1. Arbeit mit dem Pferd
Bodenarbeit und Kommunikation mit dem Pferd -> Praktische Prüfung

2. Videobasierte Vorstellung von 2 Fällen pferdegestützte Arbeit mit Klienten in
der Ausbildungsgruppe mit Supervisor

3. Dokumentierte und videobasierte Vorstellung eines abgeschlossenen Falls
mit mindestens 20 Sitzungen pferdegestützter Arbeit

4. Abschlusskolloquium
Anhand eines Falles, der in schriftlicher Form dem Prüfling ausgehändigt wird, werden
nach einer 30-minütigen Vorbereitungszeit die diagnostisch-interventiven
Überlegungen und Hintergründe des Vorgehens besprochen.

5. Nachweis eines mindestens 40 Stunden umfassenden Praktikums in einer
Einrichtung, die pferdegestützte Interventionen anbieten (vorzugsweise bei Kooperations-
einrichtungen des PIRT oder des Berufsverbandes PI)

6. Nachweis der reiterlichen Fähigkeiten mittels Vorlage der Kopie des
Reitabzeichens der Stufe III (alt) , oder geeigneter anderer Nachweise (bitte anfragen)